[cosmic story]

hab dich gesehn
sehen berührt
plötzlich ganz nah
nähe gespürt

verschmolzene lippen
lippen und augen
glücklich erwacht
hoffen, vertrauen

(dedicated)


©hristof

[Incipit]

Schließe die Augen
und stelle dir vor:

Schwärme von Bienen
eifrig und emsig
Insekten zuhauf
diszipliniert strukturiert
geschlossener Schwarm
Sardinen in Freiheit
Massen von Menschen
alle Richtungen
des Himmels
gehend und laufend
quer und auch kreuz
Diagonalen
beschreiben den Weg
Millionen von Spermien
nur ein einziges Ziel
zum zeugen bereit
säugende Tiere
Tiere mit Flügel
zu Land und zu Luft
das frühzeitige Grollen
spüren den Berg
die Hitze der Glut
- Huftierflucht
Hunde ohne Leinen
Vögel ohne Käfig


dann erkennst du
was sich im Kopf
des Nächtens tut
Gedanken hoch X
im Rausch der Gefühle
erfahren
in halten
verbinden
und dann

kommt der Morgen
die Augen voll Schlaf
müde dein Geist
alles zu viel
zu wenig Geduld
den Faden verloren
ihn nie wirklich
be-griffen

du bereitest dich vor
für die kommende Nacht
wacher zu sein
um nichts zu versäumen
nichts zu vergessen


©hristof

[Phantomschmerzen…

in den Kammern
meines Herzens
reiben sich Splitter
in der Mechanik
meines Daseins
mentale Gewitter

das Zentrum
meiner Liebe
jedes Pochen
ein Schrei
ich spüre das Fehlen
vorbei ist vorbei?

doch es schlägt
trotz der Trauer
hält mich leidend
am Leben
in Raten verraten
fühl mich beraubt

©hristof

[Protokoll eines Selbstreders]

(mit sich im Dialog bleiben)

wie bei der Musik
gibt auch hier
der Ton
- die Emotion
den Rahmen vor

das Setting
den Dialog
wie sich dir
dein ich
dir präsentiert

die Stimmung
moduliert die Stimme
formt das Pendant
deinen Partner
fürs Gespräch

spricht das Kind?
der Mann zum Mann
klingt weiblich
mein Belang?
ich bin viele

und viel vermag
ich mitzunehmen
was ich mir
zu sagen habe
ob Rüge oder Lob

ich hör mir zu
ich streit ihn ab
ich geh konform
der kluge Rat…
… stille!

Wir müssen nachdenken

©hristof

[schmerz]

(ein versuch... )

ich kenne euch nicht
weiß nicht
wer ihr seid
keinen schimmer
was euch auf die straßen treibt
und noch viel schlimmer
wieso ihr zum töten bereit

was euch verleitet
warum ihr die hemmschwelle
überschreitet.
überzeugt und verführt
zu mörderInnen werdet
- lasst euch das völlig unberührt?

ich will‘s nicht begreifen
auch ohne über euch
bescheid zu wissen
dass das blut
unschuldiger menschen
von müttern und vätern
töchtern und söhnen
von menschen
an euren händen
zu kleben hat...

kennt ihr die bilder
ihr kennt sie nicht?
prägt sie euch ein !!!

die bilder der toten
die rotgeweinten augen
des kindes
das den tot
seine eltern beweint
die angst und den zorn
der trauernden menschen
die sie krank werden lässt

ihr scheut nicht zurück,
so kommt es mir vor
ob kind oder alt
ob von da oder hier

schaut sie euch an
und hört täglich hin
die betroffenen
eures terrors
die schreie
so laut

ist das euer ziel?

©hristof

[Klartext]

Ich mag Menschen
du magst Menschen
er mag Menschen
sie mag Menschen
wir mögen Menschen
Menschen mögen Menschen

Menschen streiten
und versöhnen sich
Menschen trennen
und verbinden sich
Menschen können sich riechen
oder auch nicht.
ABER!!!
Menschen töten keine Menschen

©hristof

[Neubeginn]… oder dem Ende nah

Ich sehe der Natur
beim Wachsen zu
lausch dem Pulsschlag
erwachten Lebens

zurückgekehrter
daheim gebliebener
aufgewachter
Zwitscherwesen

Schnabelträger
Tatzengeher
Kriechgenossen
flink am Weg

mit zwei und vier
drei links, drei rechts
in Mikroschritten
sich, her-bewegen

fort bewegt sich
kaltes Weiß
verzieht sich lautlos
höflich, grünlich

wieder wider
Winterzeit
getränkter Boden
gänseblümlich

Ich sehe der Natur
beim Kippen zu
hör die Schreie
die sie quält

Seh die Narben
leide mit
schäme mich
der Menschenwelt

©hristof

[Faktencheck]

Ich bin ganz ehrlich mit mir
wenn ich mich selbst belüge
wenn ich meine Wunden
mit Unwahrheit verschließe
- sie mir salbungsvoll schönrede
Gefühlsinventur
Offenbarungseid
Meineidsklage
- abgeschmettert!

Alles wird gut?
Alles ist gut?
Alles wahr
Alles Lüge

Ich komm damit klar.
Komm ich …?


©hristof

[Allegorie]

Mein Abfall
- die von mir
benutzten Wertstoffe
stehen sauber sortiert
zum entsorgen bereit

meine Sorgen
- von mir getragen
durch mich erfahren
emotional verdichtet
reflektieren braucht Zeit


©hristof

[morgenschwaden]

in den dampf
meines morgendlichen kaffees
mischen sich dünne rauchkringel
offensichtlich
zu schlampig
meinem nikotinfrühstück
den gar aus gemacht
so glimmt sie ein wenig nach
haucht ihre letzten züge aus

im lichte
des einfallenden sonnenstrahls
wird noch einmal sichtbar
welch wunderbare ästhetik
diesem ungesunden schauspiel
innewohnt

nun verbindet sich
das ungleiche paar
spiralförmig
dem zug entgegen
zieht das ungleiche paar
umschlungen
richtung fensteröffnung
richtung verflüchtigung


©hristof

[panta rhei]

vielleicht
kann man sich alles schönreden
wenn man mag
wenn man mag …

aushalten
nicht gegen den strom schwimmen
sich dem fliesen anvertrauen
darauf vertrauen
dass die flut an emotionen
ruhigere gewässer erreicht

manchmal frierts
und das eis
teilt und trennt
verbindet ...

fragiles element

©hristof

[Mundraumlogik]

Das Denken schweigt
der Körper wälzt
von rechts nach links
Bewegungslaute

Hautgeräusche
Sprache finden
die versteckt
teils ignoriert

im Federkern
der Liegestätte
unter Haut
dir innewohnt

Löschblattlogik
aufgesogen
das Vakuum
mit Luft beschenkt

dem Stimmband
auf die Sprünge helfen
alt-gedachtes
wird belohnt

©hristof

[hausmasta]

wer hot bei mia
die hosn an
wer is bei mia
es hirn im haus

da bauch
es wolln
die lust
die angst

wem vatrau i
frogn an
wer steht ma red
wer repliziert

im lebenshaus
vom doch zum keller
stabil gebaut
teils ruiniert

von stock zu stock
von eck zu eck
im aufwärtsdenken
nimm i die stiagn

am giebel spitzt
der rAUM si zu
gaunz ohne flügel
gibst ka fliagn


©hristof

[Alles wird gut]

Die deutsche Sprache
ist voll von Phrasen
die uns Menschen
glauben lassen
dass aller Schmerz
„er geht vorbei
du wirst schon seh‘n...“
rein temporär
ist zu verstehen


Der Sprache Feind
bekannt als Lüge
kommt getarnt
als seichte Floskel
verklärt die Wahrheit
beschönigt Leiden
verklärt den Schmerz
belügt, betrügt
das offene Herz


©hristof

[conclusio]

Wenn man den Finger in die Wunde legt
muss man mit Entzündungen rechnen

©hristof

[Lernprozess...

Wir können alles kaufen
Können wir?
Natürlich nicht
Und das ist gut so

Die Liebe
das Vertrauen
die Achtsamkeit
...

Wir können alles leben
Können wir?
Natürlich!
Wenn wir wollen

Lasst uns beginnen
zu wollen


©hristof

Das [ganze] Bild

Der Mensch
die Mutter
wertvolle Freundin
die Frau

Offene Ohren
ehrliche Zeilen
respektvoll im Umgang
stimmlich vertrauen

(für cosma)

©hristof

[Abend]Gedanken

Manchmal
ist alles
ein wenig zu viel
und vom Andern
wie gewohnt
viel zu wenig
und dazwischen…

Mein Hirn
windet sich
Emotionen
schütten sich aus
fragil
aber auch dankbar
solche Momente
erleben zu dürfen

Nie zum weinen in den Keller gehen muss
aber auch Tränen vor Glück vergießen darf

©hristof

Erd[bewegung]

Körper im Raum
mit einem Knaller geboren
einer von vielen
heute Erde genannt

Masterpiece Gottes
Hoch-, und Tiefbau in Schichten
sieben Tage geschuftet
in Rekordzeit entstand

Wunder des Lebens
Darwins Erzählung
aus Elementen geformt
das fruchtbare Land

Die Schöpfung als ganzes
durch Götter verkörpert
Naturphänomene
in heiliger Hand

Ob galaktisches Wunder
oder göttlicher Plan
längst steht uns das Wasser
und es steigt und es steigt ...

Die Zukunft unserer Kinder
unsere Heimat für alle
I wünsch mir von Herzen
dass ihr’s net vageigts

©hristof 

[worst case]

Würde ich nie zweifeln
wäre ich wohl immer sicher.
Wäre ich immer sicher
würde ich träge werden.
Weil es wohl nichts mehr
zu überprüfen gäbe.
Kaum mehr etwas
von mir
überdacht werden müsste.
Ich hätte und bräuchte
keine Ideen mehr
weil bereits alles
hundertprozentig vorliegen würde.
Bräuchte es diesen Text überhaupt
wenn ich nie zweifeln würde?
Zweifelsfrei
nicht leicht zu beantworten.


©hristof