[die löwin]

ich rufe deine bilder auf
ich blick zurück
in die momente
wo mein herz
mit scheuer geste
durst geplagt
sie aufgesogen

wild und sanft
ist mein bedürfnis
wild und sanft
bleibt unerfüllt

ich hol mir deine bilder her
gedankenfundus
wenn die lust
nach hautkontakt
nach leiser nähe
dein atem streichelt
meine seele

sanft und wild
laut und leise
ruhig und schnell
berührungsreize

©hristof

[splitter]nackt

eine hand voll notizen
doc.: “unbekannt”

geparkte gedanken
zeugungsakt

in der ausführung
mir widersprochen

beim schreiben
mir widerschrieben

nullen und einsen
wort und sinn

löschblatt versus
tastatur

statt mich barfuß
zu bewegen

tippte ich gedanken
in festem Schuhwerk


©hristof

wo geht die zeit hin während wir [warten]

mein timing
war schon mal besser
und dann
wenn es besser war
empfand ich es
als großes glück
dann
wenn ich am weg
dem temporären ziel
entgegen
trotz sehschwäche
die einstelligkeit erkenn
wenn auch verschwommen
wird erkennbar
dass die zeit
die mich ungefragt
zum warten nötigt
im rahmen bleibt.

mein timing
war schon mal besser
von der haltestelle
geht eine stille aus
bei mir
kommt ein gefühl an
das mich zögern lässt
jetzt
seh ichs genau
achtzehn minuten
wartezeit
die stille bricht
ich nehms willkommen
acht schwarze spuren
am tage schwarz
das auto rot
die fahrbahn trägts
geräuschvoll ostwärts
….
sechzehn minuten
die zeit wirkt schläfrig
das warten bleibt

©hristof

[Zusammenführung] ...vom Denken überholt

Das Denken gibt
als Erst erwachte
im Lebensspiel
dem Leben Raum

Der Kopf soll hoch
das Bein muss raus
im Liegen schreibt sich
nur der Traum

Mobilität
als Lenkmotiv
Gedanken schulternd
Beine lenkt

Gleich auf gleich
wohl nur der Schmerz
der volle Geist
am Nacken hängt


©hristof

[Ich schrei]

Wäre ich ein bildender Künstler
- die Aussage
die ich zu treffen hätte
ließe sich möglicherweise
in einer einzigen Betrachtung vermitteln

Ich denk an Edvard Munch
und weiß für mich
das der Leserschaft
mit einem einzelnen Wort
dem geschriebenen „Schrei“
nicht geholfen sei

Wer schreit und warum?

Ist es der Schrei ins Leben
- das Neugeborene
macht unmissverständlich klar
„ich bin da“

Ein Schrei
positiv und laut
energisch und bestimmt
der Leben retten will

Ein Schrei
der im Halse stecken bleibt
und auch nur dann
Gehör erlangt
sind weitere Verse bekannt

Ich schrei und schreib
was ich kann
schrei Geschriebenes
leise in meine Hand

©hristof

Selbst[verteidigung]

Mea Culpa
Schuldzuweisung
Selbstmitleid
die Opferrolle
mein Mandat
ich nehm es an
im Kreuzverhör
Beweisaufnahme

Ich hör zu
was ich mir sag
goutier den Antrag
Denkrecherche
Kaffeesudlesung
Löskaffee
am Boden klebt
ein kleiner Rest

Das Kristall
die Kugel blind
die Erzählung
matt verschwommen
gewohnt beklommen
zurück zum Start
bezieh ich Platz
ich zähle mich ein

und „los“


©hristof

[Wer die Wahl hat, hat die Wahl]

Wer die Wahl hat
hat die Wahl

Fleisch
oder Käse

Käse
ganz ohne

Fleischkäse
mit

am Sonntag
darf Jede

und Jeder
den Ihren

den seinen
geheimen

passenden
Senf

auch wenn‘s Ihr
wie Ihm

nicht passt
was er steckt

weil die Farbe
nicht schmeckt

das Kreuzerl
vergeben

--------------

Es ist schon ein Kreuz
mit‘n Kreuz

ein Kreuzerl
mit Rückgrat

ein Kreuzerl
mit Stolz

so brummen
die Köpfe

Die Stimme
zur Urne

hinein
in die Töpfe

und dann
wird gerührt

vermischt
und sondiert

die Kost
wird getrennt

auf Kosten
von wem?

So bleibts
eine Qual

Wer die Wahl hat
hat die Wahl


(Für Monika
[aka]
MonicARToons)

©hristof

[Deine bunten Geschichten]

Kein Buch mit Rücken
gefüllt mit Worten
wohl mit Rückgrat
wählst Du die Leinwand

Den zarten Pinsel
die feine Spachtel
schreibst Du mit Farben
wenn Du erzählst

Charaktervoll
die Leitmotive
ausdrucksstark
die Poesie

Lebendig bunt
verführst stilistisch
storytelling
voll Empathie

Dein roter Faden
die bunten Bällchen
dein bunter Stil
den Du geprägt

In Öl verfasst
deine Metaphern
bunte Geschichten
ins Ohr gelegt

(Gewidmet Teona Tibuas Ausstellung - „Meine bunten Geschichten @ Kooio: Forum für Kunst und Kommunikation/Innsbruck)

©hristof

[Offenlegung]

Trüb erzählte
Episoden
Aus Alp und Angst
fühlst dich betrogen

Ein Fluchtversuch
- dem Traum entfliehen
Sich der Nacht
- dem Schlaf entziehen


©hristof

[Protokoll]

Der schwerste Text
erzählt von Schatten
Von dunklen Flecken
Von einsamer Nacht

Von Schluckreflexen
in trocknen Rachen
Von Spannung im Körper
Von Cello und Bach

Von leerem Polster
Der zweiten Decke
Von viel zu viel Platz
Von Räumen für zwei

Von starkem Bedürfnis
Von intimen Zeilen
Dem späten Kontakt
Von: Er schreibt sich frei

Von großer Sehnsucht
Von Lust nach Liebe
Von rhythmischen Körpern
Der Stille danach

Dem künftigen Mut
Von Druck und Tragödien
Von falscher Entscheidung
Von nächtelang wach

Von einer Hoffnung
Von zärtlichen Bildern
Und der Unfähigkeit
an sie zu glauben

Letztlich von Schwere
ihn zu erzählen
Und von der Scheu
sich anzuvertrauen


©hristof

Schnitt[menge]

Ein neuer Tag
wie kein Andrer
gleicht den Tagen
wie allen Andern

Das Momentum
zeitlich absurd
Anachronismus
Deckungsgleich

Geschlossne Augen
Offne Flächen
Schalen gleich
Der Hände Form

Der Blick gebettet
Vertraute Kuhle
Das Füllvermögen
schmeckt nach Salz


©hristof

[countdown]

Wäre das Leben ein Adventskalender
das Leben wäre süß
die Zukunft begrenzt
das Ende bekannt
draußen läge Schnee
und ich würde frieren.


©hristof

Flug[angst]

Wäre ich ein Heißluftballon
Aber ich bin keiner
Wäre ich einer
das Abwerfen
ließe mich steigen

Ich möchte sinken
Der Erde nah sein
Boden spüren
Getragen werden
Getragen sein

Wäre ich ein Heißluftballon
würde ich dann den Boden spüren
Ballast ablegen
Die Schwerkraft nutzen
Ankommen dürfen

Den Himmel und die Sterne
im Sinn
Den Regenbogen
im Herzen
Glück

©hristof

[Die Nacht zum Leiden]...

Die Nacht zum Leiden
Der Tag zum Schreiben
Streng hierarchisch
Festgefahren

Wer schützt hier wen
im Schutz der Nacht
wenn ungefragt
die Dämme brechen

Farbenblind
Gedankenstränge
Der rote Faden
im roten Knäuel

Dann das Bemühen
mich aufzuschreiben
Das Spannungsfeld
begehbar machen

Ins biochemische
Desaster
Ins trübe Moor
die Pfähle rammen

...blieb unbelohnt

Die Nacht zum Leiden
Der Tag zum Schreiben.

©hristof

[mise en place]

Angekommen
Ausgelegt
Glas auf Bild
Das Bild auf Holz

So lagen sie
im Ruhemodus
Vertreter*innen
gemalter Kunst

Diverse Längen
neben Längen
Auch die Breiten
fanden zusammen

Abstrakt zufrieden
die bunten Formen
Tier und Blume
cool entspannt

An Hämmern zwei
wie schlichte Nägel
So mancher Stift
goldig am Haupt

Galt es nun
hier zu verbinden
Die Nägel
auf den Kopf zu treffen

Mit Geschick
Nicht spitz auf Kopf
Mit Augenmaß
viel Herz und Hirn

Fanden Tiere
zu ihrer Herde
Der bunte Hund
zum Kunst-ver-Bunt

(für Katharina. Für Deine Vernissage)


©hristof

[Schreiben für die Schublade]

Holzfreie Blätter
und Chlorgebleichtes
Einseitig bedruckt
rückseitig beschrieben

Mein Fetisch für Blöcke
in Formaten fünf und sechs:
für Notizen und Sorgen
für sensible Träume
zum erschreiben von Räumen

füllen das Innere
quellen über

Verklemmen den Zugang
zu Unverklemmtem:
zu offenen Gedanken
intimes geständig

zu lyrischem Protest
Versen aus Liebe
fertig formulierten Antworten
nie gestellt bekommener Fragen

was festgehalten werden will
wird festgehalten
dem Vergessen entgegen
das Merken
„ich muss …“

Glück und Schmerz
ziviler Ungehorsam
in Wort und Schrift
das Spektrum ist groß
die Schublade klein

wenn übervoll
schütte ich meine Gedanken
unzensiert
in den leeren Raum

©hristof

[feucht]

35 Grad
und keine Affen
Aufrecht gehende Primaten
schwitzen durch die Stadt

©hristof

[herzblatt]

an jenen tagen
wo fern von dir
und das sind viele
vermiss ich dich

in den momenten
wir sind zusammen
sind leider rar
da liebe ich

das vermissen
und die liebe
sind geschwister
zur selben zeit

wo wir uns denken
hören und sehen
im herzen spüren
verbundenheit

(für meine Nichte Victoria)


©hristof

[wegwerfcity]

nirgendwann
und nirgendwo
aber immerfort
und immer wieder
wirkt die schwerkraft
so offensichtlich
wie beim spazieren
durch die stadt

die vielfalt
von dem vielen
ist grenzenlos
und die hand
der griff
der es hält
gewissenlos
lässt er los

anichstraßen
ich zähl die kübeln
lies die sprüch
nett pointiert
am ziel vorbei
ins schwarze trifft
was vorher war
in einer hand

manchmal
bleib i stehn
und buck mi runter
für mi?
für di?
fürs gewissen?
i machs
frog gor net noch


©hristof

Wasser[Kraft]

Wusste das Wasser
das mich damals trug
den Kinderkörper
dem Schwimmen fern
die Schwerkraft war
gefährlich stark

Weiß das Wasser
das mich wäscht
den Erwachsenen
von Schweiß und Tränen
die Oberfläche
der Innenschau

Was weiß das Wasser
von seiner Kraft
die Leben nährt
durch Bahnen fließt
fließgewaltig
Leiden schafft

Denken, fühlen
Gedankenstrom

Tränen
Strömen
Hafen
der Erinnerung

Wir leben
weil das Wasser trägt
Wir leben
weil wir Lust verspüren

Wir leben!


(dedicated to Sofía Rodríguez)

©hristof