[freiheit]

wer mich besucht
bestimmt nicht ihr
frei von scham
im jetzt und hier

wer mit händen
nach meinen greift
mit offenen armen
mich ganz erreicht

unbewusst
bewusst erfahren
die lust ein meer
mehr nähe wagen

der traum ist mein
ihn mit dir teilen
zu zweit bereit
umarmt verweilen

©hristof

[Gedanken über drinnen und draußen...

Die Flucht nach draußen antreten
weil der knappe Laufmeter
des angemieteten Eigenheimes
mir meine Grenzen aufzeigt
und da spreche ich nicht nur
von geographischen Rahmenbedingungen
im Minikosmos-Format

Der Flucht nach draußen
folgt spontan ein Gefühl auf den Fuß
bringt grenzwertiges Verhalten ans Tageslicht
der Weg unter der Sonne
das Gehen in Freiheit
- im Schlepptau
ein chronisch schlechtes Gewissen

darf ich...?
darf ich wirklich?
wie lange...?
wie lange darf ich?

Ich lausche dem Rascheln im Laub
lenke mich ab
blende aus
und weil Trotz
ein Teil meines Wesens ist
erforsche ich weitere Wege
und versuche meiner Emotion
zu trotzen

Ups!
aus der empfohlenen Stunde
wurden drei

Morgen werde ich wieder
die Flucht nach draußen antreten
...wollen?
...müssen?
…dürfen?


©hristof

[danke!]

die gesellschaft ist
geschlossen einig
global erkannt
das heldIn werk

vom mangel an
respekt bereinigt
kämpft frau und mann
uns übern berg

©hristof

Kontaktdiäten
Herzen knurren
voller Liebe
Hunger spüren

©hristof

[einsame schönheit]

terra mater
still und zufrieden
archaische sehnsucht
lieblich begehrt

prall ihre lungen
reif ihre knospen
blühende kleider
sich leben vermehrt

©hristof

[ois gsogt!

Jetz is er do
da virus
da gleichmocha
da mia doch egal
wen i mia hol
ob in downingstreet
oda in den favelas
ob mitn fettn taschl im sock
oda den auf‘n bankerl in da stodt
ob tiaf rot links
oder in braunen orsch
oda…?
nix oda!

manche valiern
in da klinik
manche
hom net amoi die chance
in friedn zu gehn
weil ma uns
nua um uns
und net um die andern
nur ums europäische lebn
und net ums andere
schern

scham die eu
i scham mi für di!

©hristof

[etappenweise]

null uhr vierzig
zwei uhr morgens
kurz vor drei

aufwachzeiten
tränenaugen
verletzbarkeit

©hristof

[frag]würdig

Wohnst du schon,
oder schläfst du noch auf Karton
Bist du schon Daheim,
oder immer noch auf der Flucht
Isst du schon,
oder verzichtest du für deine Kinder
Trinkst du schon,
oder reicht die Ration nicht für alle
Träumst du schon,
oder halten dich deine Ängste wach

“Schläft Sie noch?”
“Nein!
Sie hat nicht überlebt.

Sie ist erfroren
Sie ist verhungert
Sie hat verloren”

©hristof

[Bewegung]

Ich bin für meine Zeit verantwortlich
ob ich sie nutze
oder sie vernachlässige
sie verstreichen lass
oder ihr entgegengehe

sie ist in mir
mit mir
in jedem Schritt
den ich gehe

wenn ich meinen Schuh
in die Abdrücke
gegangener Schritte setze
Spuren eines Menschen
der sich
wie ich
die Füße vertrat

uns trennt die Zeit
uns verbindet der Weg
und das Gehen
und irgendwann
werden wir gemeinsam gehen

©hristof

[chronisches Motiv]

Vielleicht war ich euch immer schon ein Stück voraus
ohne dies wirklich zu wollen
und nun muss ich spüren
dass möglicherweise
diese vorauseilende Fähigkeit
sich mit sich
auf engstem Raum
zu verstehen
nicht selten
mit negativer Prägung
versehen
aufgebraucht
und leer…

Nun seid ihr mir vielleicht voraus
Ob ihr nun wollt oder nicht
eure vier, fünf, sechs und mehr Wände
sind mit mentalen Ressourcen
wahrscheinlich bestens ausgestattet
während ihr postet, bastelt und häkelt
scheinen meine psychischen Reserven
aufgrund langjähriger Praxis
ausgezehrt

Die Suche nach dem Bild
der metaphorischen Allegorie
die dieses Szenario
verständlich machen könnt
bleibt unbelohnt
das Hirn sagt nein
der Verstand
ein Teil davon
müht sich zu beschreiben

Du denkst Dir
schon wieder Zeilen
die dem Virus Rechnung tragen
naja,
soll ich über das blühende Frühlingserwachen schreiben
das sich mir während meines limitierten Bewegungsradius zeigt
nein,
ich beschreibe im Gehen noch keinen Kreis
noch gehe ich auf und ab
linear des Weges
noch nicht im Kreis!

Oder soll ich über das Erwachen der Liebe schreiben
die zärtlichen Rituale
verliebter Menschen dokumentieren
ihre Küsse und Herzen beschreiben
die garantiert tröpfchenbildungsfrei
aus Satz- und Interpunktionszeichen
zusammengesetzt
letztlich räumlich getrennt
das geliebte Gegenüber
via Glasfaserkanäle erreicht

Sich ihrer jungen Liebe bewusst
Gefühle füreinander ausmalend
weil gerade Heimarbeit hoch im Kurs
ihr oder ihm ein Liebesbild malen
den Text der Gattung Liebesbrief
im Chat geschrieben und gelesen
während der Datenverbrauch
die kritische Menge erreicht…

Ich versuch euch wieder einzuholen
und ja
es kann gelingen
Schritt zu halten
in Richtung Sorgfalt mit mir selbst

©hristof

[reduktion]

Ich habe alle tassen im schrank
rausgeholt
abgewaschen
festgestellt
die menge wär
selbst wenn der raum
zu zweit bewohnt
weit überhöht

ich habe eine tasse in den schrank
zurückgestellt
für den fall
der menge zwei
würd je gebraucht
sie im kasten
für den menschen
steht bereit


©hristof

[horizont...

wir sind satt
bewegungsreduziert
bestens beraten
notfallsfinanziert

die gessellschaft
herzlichst engagiert
am nationalen teller
wo keiner verliert

innerhalb der ränder
ist die suppe heiß
erst am tellerrand
kühlt sie ab

©hristof

[brief an mich!

liebes ich
kümmer dich
um dich
und auch um mich

du fragst dich
wer ich bin
lass dir sagen
ich bin ich
ein dich
ein mich
das sich kümmert
brav um sich
das sich kümmert
brav um dich
um die andern
und um ihn
und um sie
der und die
sich sorgt
um mich
um sich
um dich
um uns

danke!
ps.: vergiss mir die tiere nicht!]

©hristof

reim auf [gassen]

menschenleere gassen
kaum autos auf den straßen
kinder ohne klassen
nicht jede nimmts gelassen
hände nicht befassen
den rachen feucht belassen
stau an allen kassen
klopapier in massen
nicht mehr putzen lassen
sich, mit sich befassen
wirtschaft ader lassen
ostern ohne hasen
der nächste vers soll passen
auf passen kommt verlassen
seine einsamkeit erfassen
bis wieder automassen
verpesten unsre straßen
es wuselt in den gassen
prüfungen in klassen
heiterkeit beim fassen
hände spüren lassen
du greifst mir auf die nasn
in ruhe und gelassen
heiterkeit, bespaßen
ängste die verblassen
im kasten saubre tassen
schulden an den kassen
politikerIn mit phrasen
hände schmutzig lassen
parties auf dem rasen
verblasen seifenblasen
küssen lassen
stress entlassen
coronaphasen
(hassen)

und aus!

©hristof

[junger ego...

...alte angst]

war ich ungebildet...
weil mir eingebildet
was in bildern
mir ward geboten

ein katalog
voll schrecken
mich betrog
von zweifel
bis absurd

schamlos
bildeten
sich bilder ein
die gebildeter
- so schien es
gewesen waren
als ich...

eine angst
ein coming back
retrospektive
verstörter ängste

blöde Krone
meinen Kopf
bekommst du nicht!

(alles wird gut!)

©hristof

[handverlesen]

Ihr langer Arm
nimmt metaphorisch
die Gesellschaft
an der Hand

kurzer Hand
wird Händelbares
Grund-Verhalten
eingemahnt

ExpertInnen
verstehen ihr Handwerk
Gesellschaftsspiele
ausgesetzt

so leben wir
kontaktsensibel
berührungsarm
zu (guter) Letzt

©hristof

[unvergleichbar

Im Hals steckt die Kulmination
in Form eines lästigen Klos
der alles beinhaltet
was sich die letzten vielen Wochen
in mir verdichtet hat

Ich weigere mich
ihn hinunterzuschlucken
weil er dann herzwärts kommt
wo er nichts verloren hat

Ich möchte ihn auskotzen
als Auswurf meiner Ängste und Sorgen
all meiner Probleme
die im Vergleich zu euren..

was red ich
was schreib ich
wo denk ich hin…
passt auf euch auf!


©hristof

[das leben ist mehr...

was helfen euch 
meine tränen
mein zorn
mein schämen
die sorge
um euren schutz
die angst ...

wäre es möglich
sie euch zu nehmen?

diese dummheit
die sie schüren
ihre wut
die unreflektiert
an euch 
adressiert
euch
den kleinsten 
ein weltbild 
präsentiert
die feindseligkeit 
die ihr spürt

würde es helfen
wenn ich euch sag
das leben
ist mehr 
mehr liebe 
kann es geben
mehr liebe 
macht es aus
und ihr 
könntet ihr
mir glauben
mir vertrauen

wenn ihr mich hören könntet? 

©hristof

[das recht trägt trauer]

bin ich traurig
muss ich weinen
tropfen tränen
auf sichern boden

musst du weinen
brennen augen
gase strömen
vom recht betrogen

©hristof

[Ich liebe Euch

Ich bin wütend
und ich bin traurig
sehr traurig
betroffen
enttäuscht
maßlos enttäuscht
und wenn ich maßlos enttäuscht schreibe
wird mir unmittelbar klar
dass dieses Vokabular
nie und nimmer
ausreichen kann
es niemals ausreichen wird
weil es für diesen Schmerz
keine Worte geben kann.

Was mir bleibt
in diesem Moment
und ich hoffe
das dieses Momentum
sich wandelt
in einer Geschwindigkeit
die Schmerz in Liebe wandelt
einer Liebe für
und zu den Menschen
eine Liebe
die mein Herz bevölkert
die Liebe
von vielen Menschen
von Menschen
aus allen Völkern
aus allen Kulturen
die ihre Liebe
in bunter - liebevoller
sprachlicher Vielfalt
zum Ausdruck bringt

Wann habe ich Euch zum letzten Mal gesagt
dass ich Euch Liebe
wann habe ich das letzte Mal
dooset daram
Ana Ahabak
I love u
Waan ku jeclahay
und in vielen Sprachen mehr
in allen Sprachen dieser Welt
wo diese Worte
Geschichten erzählen
die dem Hass begegnen können

Danke dass es Euch gibt
Danke für Euch
Ich liebe Euch!

(c)hristof