[Protokoll]

Der schwerste Text
erzählt von Schatten
Von dunklen Flecken
Von einsamer Nacht

Von Schluckreflexen
in trocknen Rachen
Von Spannung im Körper
Von Cello und Bach

Von leerem Polster
Der zweiten Decke
Von viel zu viel Platz
Von Räumen für zwei

Von starkem Bedürfnis
Von intimen Zeilen
Dem späten Kontakt
Von: Er schreibt sich frei

Von großer Sehnsucht
Von Lust nach Liebe
Von rhythmischen Körpern
Der Stille danach

Dem künftigen Mut
Von Druck und Tragödien
Von falscher Entscheidung
Von nächtelang wach

Von einer Hoffnung
Von zärtlichen Bildern
Und der Unfähigkeit
an sie zu glauben

Letztlich von Schwere
ihn zu erzählen
Und von der Scheu
sich anzuvertrauen


©hristof

Schnitt[menge]

Ein neuer Tag
wie kein Andrer
gleicht den Tagen
wie allen Andern

Das Momentum
zeitlich absurd
Anachronismus
Deckungsgleich

Geschlossne Augen
Offne Flächen
Schalen gleich
Der Hände Form

Der Blick gebettet
Vertraute Kuhle
Das Füllvermögen
schmeckt nach Salz


©hristof

[countdown]

Wäre das Leben ein Adventskalender
das Leben wäre süß
die Zukunft begrenzt
das Ende bekannt
draußen läge Schnee
und ich würde frieren.


©hristof

Flug[angst]

Wäre ich ein Heißluftballon
Aber ich bin keiner
Wäre ich einer
das Abwerfen
ließe mich steigen

Ich möchte sinken
Der Erde nah sein
Boden spüren
Getragen werden
Getragen sein

Wäre ich ein Heißluftballon
würde ich dann den Boden spüren
Ballast ablegen
Die Schwerkraft nutzen
Ankommen dürfen

Den Himmel und die Sterne
im Sinn
Den Regenbogen
im Herzen
Glück

©hristof

[Die Nacht zum Leiden]...

Die Nacht zum Leiden
Der Tag zum Schreiben
Streng hierarchisch
Festgefahren

Wer schützt hier wen
im Schutz der Nacht
wenn ungefragt
die Dämme brechen

Farbenblind
Gedankenstränge
Der rote Faden
im roten Knäuel

Dann das Bemühen
mich aufzuschreiben
Das Spannungsfeld
begehbar machen

Ins biochemische
Desaster
Ins trübe Moor
die Pfähle rammen

...blieb unbelohnt

Die Nacht zum Leiden
Der Tag zum Schreiben.

©hristof

[mise en place]

Angekommen
Ausgelegt
Glas auf Bild
Das Bild auf Holz

So lagen sie
im Ruhemodus
Vertreter*innen
gemalter Kunst

Diverse Längen
neben Längen
Auch die Breiten
fanden zusammen

Abstrakt zufrieden
die bunten Formen
Tier und Blume
cool entspannt

An Hämmern zwei
wie schlichte Nägel
So mancher Stift
goldig am Haupt

Galt es nun
hier zu verbinden
Die Nägel
auf den Kopf zu treffen

Mit Geschick
Nicht spitz auf Kopf
Mit Augenmaß
viel Herz und Hirn

Fanden Tiere
zu ihrer Herde
Der bunte Hund
zum Kunst-ver-Bunt

(für Katharina. Für Deine Vernissage)


©hristof

[Schreiben für die Schublade]

Holzfreie Blätter
und Chlorgebleichtes
Einseitig bedruckt
rückseitig beschrieben

Mein Fetisch für Blöcke
in Formaten fünf und sechs:
für Notizen und Sorgen
für sensible Träume
zum erschreiben von Räumen

füllen das Innere
quellen über

Verklemmen den Zugang
zu Unverklemmtem:
zu offenen Gedanken
intimes geständig

zu lyrischem Protest
Versen aus Liebe
fertig formulierten Antworten
nie gestellt bekommener Fragen

was festgehalten werden will
wird festgehalten
dem Vergessen entgegen
das Merken
„ich muss …“

Glück und Schmerz
ziviler Ungehorsam
in Wort und Schrift
das Spektrum ist groß
die Schublade klein

wenn übervoll
schütte ich meine Gedanken
unzensiert
in den leeren Raum

©hristof

[feucht]

35 Grad
und keine Affen
Aufrecht gehende Primaten
schwitzen durch die Stadt

©hristof

[herzblatt]

an jenen tagen
wo fern von dir
und das sind viele
vermiss ich dich

in den momenten
wir sind zusammen
sind leider rar
da liebe ich

das vermissen
und die liebe
sind geschwister
zur selben zeit

wo wir uns denken
hören und sehen
im herzen spüren
verbundenheit

(für meine Nichte Victoria)


©hristof

[wegwerfcity]

nirgendwann
und nirgendwo
aber immerfort
und immer wieder
wirkt die schwerkraft
so offensichtlich
wie beim spazieren
durch die stadt

die vielfalt
von dem vielen
ist grenzenlos
und die hand
der griff
der es hält
gewissenlos
lässt er los

anichstraßen
ich zähl die kübeln
lies die sprüch
nett pointiert
am ziel vorbei
ins schwarze trifft
was vorher war
in einer hand

manchmal
bleib i stehn
und buck mi runter
für mi?
für di?
fürs gewissen?
i machs
frog gor net noch


©hristof

Wasser[Kraft]

Wusste das Wasser
das mich damals trug
den Kinderkörper
dem Schwimmen fern
die Schwerkraft war
gefährlich stark

Weiß das Wasser
das mich wäscht
den Erwachsenen
von Schweiß und Tränen
die Oberfläche
der Innenschau

Was weiß das Wasser
von seiner Kraft
die Leben nährt
durch Bahnen fließt
fließgewaltig
Leiden schafft

Denken, fühlen
Gedankenstrom

Tränen
Strömen
Hafen
der Erinnerung

Wir leben
weil das Wasser trägt

Wir leben
weil wir Lust verspüren

Wir leben!


©hristof

[Bauchgefühl

Dein Bauch fühlt sich gut an.
In dir pulsiert und atmet es.
Du bist Glück
Du bist Hoffnung
Bist Leben und Liebe.
Du nährst und schützt.

Zwei Herzen schlagen
Vier Flügerln atmen
Hände spüren Sprache
Bewegtes leben
- sanft und stramm
und du streichelst zurück.

Ihr seid schön.


©hristof

[er]kennen

Es liegt auf der Hand
Nur in Maßen begreifbar
Versuch zu verstehen
leg meine Hand auf die Brust

Hinterfrag meine Haltung
Ich und mein Spiegel
Reflektionen in Arbeit
Die Antwort steht aus



©hristof

[Verhaltensmuster]

Ab welcher Menge Flüssigkeit
darf von Verschütten die Rede sein?

Eine Gruppe,
definiert sich über drei
Des Träumens fähig,
ist man allein

Menschen weinen
verschütten Sorgen
Das Maß war voll

Noch sitzt dir der Traum im Nacken
Verflochtene Muskulatur
strengt an
engt ein
und schmerzt

Nein,
hier war kein
stumpfer Gegenstand im Spiel
Selbst der schmerzvollste Traum
übt Verzicht
im Ausüben
von Gewalt

Kopfsorgen
Körperschmerz
die Halsdrehung
unmöglich

Aus dem Bett gedreht
Den Bewegungsradius
über die Hüfte beschrieben

Chronische Verhaltensmuster:
Geschlossene Beine,
zwei Arme
ein Dreibein gibt Halt

Schonungsvoller Auf-Stand
Pragmatismus am Morgen

von Gestern
wiederholt
von vorgestern
wiederholt
von vor…

wird morgen
am Morgen
wiederholt

{Hier wird Verlass großgeschrieben}



©hristof

ver[lust]

Undefinierbare Größe
Unendlichkeit

Möglichkeiten
Denkeinheiten
verkopfte Weiten

mir schwindelt
mir schwant

denk an Seile
an lila Schwäne

balancierend
watschelnd
den Anfang verpasst

fortgehen… !

der gespannte Weg
das Kräftemessen

Verlust und Halt
gehen niemals
Hand in Hand

Kopf-Atmer_in
Hirn-Artist_in

Schwarzmaler_in
färbt lila Schwäne
Schwarz



©hristof

[das gsogt is]

wir hom
klane göbe gsichta

de wuin uns zagn
wia ma uns
zu lesn hom:

is es "ok"ei
hort oda sanft
gschrian oder ghaucht
vafosst

-achtung
ironie-

a via des
gibt's a klauma
mitn punkt

aun da richtign stö

trifft mi a blick
im vabeigehn

siach i ka göb 
deis erklärt

kan untertitel
blends ma ein

hob i a idee
glab zu vastehn

is die Begegnung
a scho vurbei


©hristof

[Eruption...

Im Licht des Tages
Wach bei Fuß
Im Bilderrausch
Plurale Reize

Offne Schleusen
Hirn geflutet
Stimmungslagen
stapeln sich

Rote Fäden
kulminieren
Gordisches
Gedankenknäuel

Gedachtes
zwängt sich
Output
drängt sich

Sickert durch
Bricht sich Bahn


©hristof

[Hygiene]

Ich schreie Verse
auf ein Blatt
Federloses
Schmerzdiktat

Erfahre mich
Im Flüsterton
Schwarze Tinte
Transkription


©hristof

[Mund]Werk

Ich frage bei mir nach
Bin Selbstdenker
Ein Selbstsprecher
Bin mir Ohr
Bin mir Mund
Der Sprache hört
und Laute formt

Ich hör mir aktiv zu
Bin mir Versteher
Nicht selten Zweifler
Mich begreifen
Bin ich‘s mir schuldig
lösungsorientiert
mir Antwort geben?

Als Architekt
im Silbenrausch
zermahl ich Sätze
Zerleg mir Sprache
Der Speichel fließt
Ich schlucke schwer
Erbrech das Wort

Ich sag „ok“
und könnte meinen
ich stimme mir zu
Mich nicht verneinen
Mit mir im reinen?
Schmutzig wär
der Selbstbetrug


©hristof

[zweifelsfrei]

Joseph Künstler
war ein Mensch

Die Tube mit Farbe
Bleistift und Kohle
Blackbox und Licht
Der Stein noch im Fels

Der Farbton auf Holz
Der Graphit zeugt die Skizze
Die Bewegung wiederholbar
Der Meißel gibt Form

Das Ergebnis ist Kunst

Der Mensch führt den Pinsel
Der Mensch ziert das Blatt
Die Menschen erzählen
Ihre Absicht ist kühn

Joseph Mensch
War ein Künstler
Wir alle sind Menschen
Sind Menschen und Kunst


©hristof